Antennenwels züchten: Ancistrus Nachzucht Schritt für Schritt

Ancistrus claro

Weibchen von Ancistrus claro (links) und das Männchen (rechts) in der Tonröhre, Foto: Ingo Seidel

Antennenwelse der Gattung Ancistrus gehören zu den beliebtesten Welsen in der Aquaristik – und sie sind bei passenden Bedingungen oft erstaunlich zuchtfreudig. Damit die Nachzucht nicht dem Zufall überlassen bleibt, brauchst du kein „Geheimrezept“, sondern ein stabiles Setup: gesunde Elterntiere, eine geeignete Bruthöhle, sauberes, sauerstoffreiches Wasser und die richtige Fütterung zur Konditionierung.

Auf dieser Seite findest du eine praxisnahe Schritt-für-Schritt-Anleitung: von der Auswahl der Tiere über das Höhlen-Setup bis zur Aufzucht der Jungfische – inklusive typischer Fehler und schneller Lösungen.

Neu bei Ancistrus? Lies zuerst: Was sind Antennenwelse? und Haltung, Pflege & Fütterung – dann klappt die Zucht deutlich besser.

Kurzüberblick: Vorbereitung, Brutpflege, Aufzucht

Die Zucht von Ancistrus gilt in der Aquaristik als gut machbar und ist ein wesentlicher Grund für ihre weite Verbreitung. Dennoch lohnt ein genauer Blick auf Details – mit passendem Setup und sauberem Wasser steigt der Erfolg deutlich.

Vorbereitung

  • ausgewogene Ernährung der Elterntiere
  • mehrere geeignete Bruthöhlen (Tonröhren, Holzröhren, Hohlräume)
  • ruhige Bereiche im Aquarium, möglichst ohne starke Strömung direkt vor der Höhlenöffnung

Ein gut genährtes, adultes Männchen mit markanten Antennen und eine oder mehrere gesunde Weibchen sind die Basis für erfolgreiche Zucht.

Geschlecht unterscheiden:
Wie erkenne ich das Geschlecht meines Antennenwelses?

Balz, Eiablage und Brutpflege

  • Bewachen der Eier
  • Fächeln zur Sauerstoffversorgung
  • Entfernen unbefruchteter oder verpilzter Eier

Je nach Temperatur schlüpfen die Larven nach einigen Tagen. Das Männchen bleibt meist bei der Brut, bis die Jungfische die Höhle verlassen.

Aufzucht der Jungfische

  • feines Staubfutter für Welse
  • fein zerriebene Futtertabletten
  • blanchiertes Gemüse in kleinen Stücken
  • Biofilme und Aufwuchs im Aquarium

Wichtig: Sauberkeit und gute Wasserqualität sind während der Aufzucht besonders entscheidend. Regelmäßige Wasserwechsel mit angepasstem Wasser unterstützen das Wachstum der Jungfische.

Voraussetzungen für die Zucht

Alter, Größe, Kondition

Viele Ancistrus werden im Aquarium ab etwa 8-12 Monaten geschlechtsreif (abhängig von Art, Futter, Temperatur und Wachstum). Für eine zuverlässige Zucht sollte der Fisch nicht nur „theoretisch“ geschlechtsreif sein, sondern körperlich in guter Kondition.

Gute Zeichen:

  • runde, aber nicht verfettete Bauchlinie
  • aktives Fressverhalten
  • keine eingefallenen Flanken

Ruhe & Revier

Zucht klappt deutlich besser, wenn die Tiere nicht permanent gestresst sind: durch hektische Beckenmitbewohner, ständiges Umräumen oder starke Konkurrenz an Höhlen.

Tipp: Eine klar definierte Höhlenzone (Sichtschutz durch Wurzeln/Steine) reduziert Stress.

Männchen und Weibchen erkennen

Bei vielen Ancistrus sind Männchen durch deutlichere „Tentakel“ (Kopfborsten) gut zu erkennen – aber es gibt Ausnahmen, und Weibchen können ebenfalls kleine Borsten zeigen.

Unsicher beim Geschlecht? Lies unsere Anleitung: Wie erkenne ich das Geschlecht meines Antennenwelses?

 

Pärchen von Ancistrus ranunculus, Weibchen links

Ancistrus ranunculus, Weibchen (links) und Männchen (rechts), Foto: Ingo Seidel

Das richtige Setup: Zuchtbecken oder Gesellschaftsbecken?

Zucht im Gesellschaftsbecken

Das funktioniert, wenn:

  • genug Höhlen vorhanden sind
  • keine Räuber (z.B. größere Cichliden) im Becken sind
  • das Männchen ungestört brüten kann

Risiko: Gelege/Jungfische können gefressen werden oder „verschwinden“ in der Einrichtung.

Zucht im separaten Zuchtbecken

Vorteile:

  • bessere Kontrolle über Wasserqualität und Fütterung
  • einfachere Aufzucht
  • weniger Stress

Praxisgröße: oft reichen bereits 54-80 Liter, je nach Art/Größe. Wichtiger als Literzahl sind Struktur, Sauerstoff und Stabilität.

Pärchen von Ancistrus ranunculus, Weibchen links

Ein typisches Aquarium für Ancistrus, Foto: Ingo Seidel

Die Bruthöhle – das Herzstück der Ancistrus-Zucht

Ancistrus sind Höhlenbrüter. Die Höhle muss so gewählt sein, dass das Männchen den Eingang kontrollieren kann, d.h. die Größe der Höhle hängt auch von der Größe des Tieres ab.

Material & Form

Bewährt:

  • Tonhöhlen (klassisch)
  • Schieferhöhlen (sehr gut, wenn eng gebaut)
  • Bambusröhren (funktioniert, wenn passend dimensioniert)

Größe & „Passform“

Eine gute Faustregel: so eng wie möglich, so groß wie nötig.
Das Männchen sollte sich darin drehen können, aber nicht „verloren“ wirken.

Für welche Arten sind welche Höhlen sinnvoll? Schau in die Ancistrus Artenliste (Filter nach Status & Formen).

Platzierung

  • nicht auf einer freien Fläche platzieren
  • leicht strömungsnah / gut belüftet
  • vor neugierigen Fischen geschützt
Brutpflegendes Männchen von Ancistrus sp. (L 519)

Brutpflegendes Männchen von Ancistrus sp. (L 519), Foto: Ingo Seidel

es sollten zahlreiche Laichröhren angeboten werden

Im Zuchtbecken sollten genug Bruthöhlen zur Auswahl verfügbar sein, Foto: Ingo Seidel

Wasserwerte & Sauerstoff – was wirklich zählt

Für die Zucht sind nicht „perfekte Zahlen“ entscheidend, sondern:

  • stabile Werte
  • sehr gute Wasserqualität
  • ausreichend Sauerstoff

Temperatur

Viele Zuchten laufen im Bereich 24-28 °C gut. Wärmer beschleunigt oft die Entwicklung, kann aber auch Stress erhöhen.

Sauerstoff & Hygiene

  • gute Filterung (nicht überdimensioniert, aber stabil)
  • zusätzliche Belüftung/Strömung bei Bedarf
  • Mulmfallen vermeiden
  • regelmäßige Wasserwechsel (lieber öfter klein als selten groß)

Leitfähigkeit / pH

Ancistrus sind oft tolerant, solange die Werte stabil sind. Für viele Formen klappt Zucht auch in mittelhartem Wasser. Wenn du mit empfindlicheren oder wildfangnahen Formen arbeitest, kann weicheres Wasser helfen – aber Stabilität ist wichtiger als Extremwerte.

Mehr Details zu Strömung, Filtersystemen und Wasserpflege findest du hier: Haltung, Pflege & Fütterung.

Fütterung zur Konditionierung („Zuchtfutter“)

Basis (pflanzlich & ballaststoffreich)

  • Zucchini, Gurke, Kürbis, Paprika (sparsam)
  • hochwertige Wels-Tabs / Spirulina
  • Aufwuchsflächen (Steine/Wurzeln)

Protein (maßvoll, aber gezielt)

Protein kann zur Konditionierung beitragen, aber zu viel kann das Wasser belasten.

Geeignet (je nach Art und Becken):

  • Frostfutter (z.B. Mückenlarven) in kleinen Mengen
  • gutes Granulat
  • gelegentlich Artemia/ähnliches

Tipp: Wenn das Wasser kippt, kippt die Aufzucht. Lieber sauber und konstant als „zu viel des Guten“.

Paarung, Gelege, Brutpflege – was passiert in der Höhle?

Paarung

Das Weibchen legt die Eier in der Höhle ab, das Männchen befruchtet sie. Danach übernimmt das Männchen die Brutpflege.

Brutpflege durch das Männchen

  • fächelt Wasser über die Eier (Sauerstoffversorgung)
  • entfernt unbefruchtete oder verpilzte Eier
  • verteidigt den Eingang

Wichtig: In dieser Phase möglichst nicht stören. Nicht ständig Höhle anheben, nicht dauernd ins Becken greifen.

Je nach Temperatur schlüpfen die Larven nach einigen Tagen. Das Männchen bleibt meist bei der Brut, bis die Jungfische die Höhle verlassen.

Aufzucht der Jungtiere – der wichtigste Teil

Die ersten Tage

Solange der Dottersack vorhanden ist, fressen die Jungtiere kaum aktiv. Danach brauchen sie:

  • Aufwuchs
  • feines, gut verdauliches Futter
  • absolut sauberes Wasser

Futter für Jungtiere

Bewährt:

  • fein zerdrückte Wels-Tabs
  • feines Granulat
  • blanchiertes Gemüse in kleinen Stücken
  • ggf. etwas Protein, aber minimal

Wasserwechsel-Routine

Das ist oft der Erfolgsfaktor #1:

  • lieber mehrmals pro Woche kleine Wechsel
  • Futterreste konsequent entfernen
  • Filter nicht „totputzen“, aber stabil halten

Häufige Probleme – und wie du sie schnell löst

Eier verpilzen

Ursachen: zu wenig Sauerstoff, zu viel organische Belastung, schlechte Strömung in der Höhle
Lösungen: mehr Belüftung, Höhle strömungsgünstiger, Wasserwechsel, Mulm reduzieren

Gelege verschwindet / wird gefressen

Ursachen: Stress, Störung, falsche Vergesellschaftung
Lösungen: mehr Ruhe, mehr Höhlen, notfalls Zuchtbecken

Jungtiere sterben nach 3–14 Tagen

Ursachen: Wasserqualität, Überfütterung, bakterielle Belastung
Lösungen: weniger füttern, häufiger wechseln, Aufwuchsflächen, Hygiene

Männchen verlässt die Höhle

Ursachen: Störung, ungeeignete Höhle, zu starker Konkurrenzdruck
Lösungen: andere Höhle testen, Standort verbessern, Konkurrenz reduzieren

Beliebte Zuchtformen im Hobby (Aquarienstamm)

Viele Suchbegriffe im Netz beziehen sich auf Zuchtformen des Ancistrus sp. „Aquarienstamm“. Hier findest du die wichtigsten Profile inkl. typischer Handelsnamen und Hinweise zur Einordnung:

Gelb-Schwarzauge

Gelbe Zuchtform mit dunklen Augen. Im Handel/online oft uneinheitlich als „L144“/„Gold“ bezeichnet – im Profil erklären wir die gängigen Verwechslungen.

Albino

Helle Zuchtform (meist mit rötlichen Augen). Haltung und Zuchtprinzipien entsprechen dem Aquarienstamm – wichtig sind Kondition, Höhlen und saubere Wasserqualität.

Super Red

Rote Zuchtform, deren Farbintensität je nach Linie, Alter und Fütterung variieren kann. Das Profil enthält Praxis-Hinweise und saubere Einordnung der Bezeichnungen.

Zucht bei L-Welsen & unbeschriebenen Formen

Wenn du viele L-Nummern / unbeschriebene Ancistrus pflegst, gelten die Grundregeln weiterhin – aber:

  • manche Formen sind territorialer
  • Höhlengröße und Einengung kann entscheidender sein
  • Gruppenzusammenstellung (2 M / 3 W) kann besser funktionieren als Paar

Wenn du mit L-Nummern arbeitest: prüfe zuerst die Zuordnung in der Artenliste, bevor du Zuchtziele ableitest.

Häufige Fragen zur Haltung von Antennenwelsen

Wichtiger Hinweis: Die folgenden Antworten beziehen sich auf den weit verbreiteten „gemeinen“ Antennenwels, also typische Aquarienstämme von Ancistrus sp. im Gesellschaftsaquarium. Viele wildgefangene oder spezialisierte Arten haben deutlich abweichende Ansprüche. Für solche Tiere bitte immer die jeweiligen Artensteckbriefe und Literaturhinweise beachten.

Wie viele Höhlen brauche ich für die Zucht?

Mindestens eine passende Höhle pro zuchtfähigem Männchen – besser mehrere, damit das Männchen wählen kann und Stress sinkt.

Brauche ich weiches Wasser für Ancistrus-Zucht?

Oft nicht. Stabilität, Sauberkeit und Sauerstoff sind meist wichtiger als Extremwerte.

Was ist das wichtigste für die Aufzucht?

Wasserqualität. Häufige kleine Wasserwechsel und sparsame Fütterung schlagen „Spezialfutter“.

Können Jungfische im Gesellschaftsbecken groß werden?

Manchmal ja, aber Verluste sind häufiger. Für hohe Erfolgsquote ist ein Aufzucht-/Zuchtbecken besser.

Mehr erfahren im Standardwerk zu Ancistrus

Diese Übersicht kann nur einen Einblick in die faszinierende Welt der Antennenwelse geben. Wer tiefer einsteigen möchte – von systematischen Details über die Vielfalt der Arten bis hin zu praxisnahen Erfahrungsberichten und umfangreichen Fotos – findet im Buch Antennenwelse: Die Harnischwelse der Gattung Ancistrus eine umfassende Darstellung der Gattung.

Auf ancistrus.at sind viele Arten mit Kurzsteckbriefen und Bildern vertreten. Das Buch ergänzt diese Informationen um detaillierte Beschreibungen, weiterführende Literaturangaben und zahlreiche Hintergrundinformationen zur Biologie und Ökologie der Antennenwelse.